Tipp: Neidharts Küche (2013)

neidhart

Neidharts Küche

Nach fast 10 Jahren in Karben war ich bisher sicher, dass „wirklich gutes Essen“ – vom Deutschen Haus der Familie Traband mal abgesehen – und „Karben“ sich leider ausschließen. Von Neidharts Küche hatte ich schon zu Frankfurter Zeiten gehört, aber der gemeine Frankfurter bewegt sich ja selten aus seinem Einzugsgebiet heraus. Um mich nun nicht wieder der ewig gleichen Pizza und Pasta im Ort auszuliefern, sollte es also die regionale Küche sein, angepriesen im Wohlfül-Restaurant. Passt ja auch prima in mein aktuelles Food-Projekt.

Gut versteckt im Karbener Industriegebiet und mit konsequent wenig Werbung schwer zu finden, tauchte das Lokal dann drei Häuser neben einem meiner Karbener Büros auf. Sowas aber auch, fahre ich da jeden Tag dran vorbei und merke es nicht. Aber viele andere Gäste kennen den geheimen Ort offensichtlich gut, denn der Laden war ziemlich voll am Sonntag. Leider hatte das zur Folge, 10 Minuten nicht mal nach einem Getränkewunsch gefragt zu werden oder die Karte zu erhalten. Kann mal vorkommen im Stress und scheint nicht Programm zu sein, da der Service, nachdem er uns erst mal auf der Liste hatte, schnell und freundlich war. Hunde sind kein Problem. Sie sind wohl nicht wirklich willkommen, Wasser oder ein freundliches Wort gab es nicht, aber immerhin sind sie erlaubt. Tara rollte sich zusammen und schlief ein. Das reicht mir.

Die Liste der Zulieferer liest sich bekannt, wirklich viele Zutaten stammen aus der Region. Ich musste natürlich meine Chance ergreifen, die aktuell verbotenen Dinge zu kosten und begann mit Nordlandgarnelensalat mal fruchtig mit Melone und Mango zu 10,90 €. Ein stolzer Preis für den kleinen Happs, das Gericht war es aber wert: Alleine das fruchtig-scharfe Chutney hätten ich glasweise löffeln können. Lauwarmer Ziegenkäse mit Chilyhonig (ja, die schreiben das wirklich so) an Rucolasalat (ja, das schreiben sie auch so, aber sie sollen ja kochen und nicht schreiben können) und Pinienkernen für 8,90 € hatte mich auch sehr angelacht.

Wenig offene Weine (beispielsweise nur ein einziger italienischer Rotwein) ließen die Wahl auf eine Flasche Rosso di Montalcino fallen, der mit 31,00 € eine ganze Ecke günstiger angeboten wird, als in Frankfurt.

Zunächst dachte ich, 20,90 € für Medaillons aus der Rindersteakhüfte mit Pfifferlingen in Kräutersahne und Wetterauer Nudeln sei ein wirklich unschlagbarer Preis, aber irgendwas zu meckern gibt es ja immer – und hier war die Portion einfach zu übersichtlich. Da hätte selbst ich als Wenigesser vermutlich eine zweite geschafft. Nach einer gewünschten Garstufe wurde bedauerlicherweise nicht gefragt. Butterzartes Fleisch und eine nette Sahnesauce trösteten dann aber doch und machen durchaus Lust auf weitere Besuche.

Inhaber und Koch Reiner Neithart, 2005 in die Europäische Union der Spitzenköche berufen (Marco Wanke war damals Pate) soll mal einen Stern gehabt haben, ich finde in den Weiten des Internets allerdings nur einen Bib-Eintrag. Die Auszeichnung „Bib Gourmand“ steht im Guide Michelin für sorgfältig zubereitete und preiswerte Mahlzeiten, was ja auch schon eine sehr gute Bewertung ist. Solche Gerüchte werden ja auch gerne von Leuten in die Welt gesetzt, die im gleichen Atemzug von 5-Sterne-Küche sprechen. Aber ich lasse mich auch gerne eines Besseren belehren.

Das Essen aus Neidharts Küche werde sich sicher noch öfters genießen, denn daran gab es nichts auszusetzen. Karben hat ein gutes Restaurant. Danke dafür.

 

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