Besser nicht: Chez Mamie

chez
Mit großer Vorfreude reserviere ich im Chez Mamie, dessen persönliches Anliegen es laut Homepage ist, uns herzlich willkommen zu heißen und herzhafte, typisch französische Küche in einer gepflegten und angenehmen Atmosphäre anzubieten. Aber um 19 Uhr hätte der Koch zu viel zu tun, ich solle doch bitte viel später kommen – und ein Hund wird mit „auch das noch“ kommentiert. Eigentlich habe ich da schon keinen Hunger mehr, aber da meine Freundin von weiter weg anreist, bekomme ich meine Tischzusage. Wollen die keine Gäste? Es macht den Eindruck.

Natürlich ist mein Platz mitten im Raum und natürlich ist das kleine Restaurant nicht voll um 19 Uhr. Besonders ärgerlich finde ich, dass mehrere Zweiertische am Fenster, die mir ja verwehrt wurden, unbesetzt bleiben. Aber wir sind ja zum Essen hier, nicht etwa, um es gemütlich oder bequem zu haben. Die Foie Gras de Canard in der Vorspeisenportion zu 11 Euro hat eine ordentliche Größe, die kleine Variante ist wirklich nur ein Happs, und schmeckt wirklich köstlich zusammen mit der hausgemachten Feigenmarmelade. Alle Gerichte in zwei oder drei Portionsgrößen anzubieten, ist eine feine Sache, da man sich so durch die ganze Karte schlemmen kann. Noch ein paar Schnecken, sehr gut in nicht zu viel Knoblauch und mit viel frischem Weißbrot, Tara ist unter meinem Stuhl eingeschlafen, Wasser wurde ihr natürlich nicht angeboten. Der Abend scheint aber doch noch gut zu werden.

Die Küche ist schnell, der Service freundlich – bis zum kleinen Steak Tartare (5,50 Euro). Hier kann ich mir nur vorstellen, dass dem Koch das Gewürzfass aus der Hand gefallen ist. Völlig versalzen, viel zu viel Paprika, Senf und Tomatenmark. So würze ich in abgemilderter Form meine Frikadellen, aber bei rohem Fleisch möchte ich mir doch den Grundgeschmack erhalten?! Ganz anders im Chez Mamie. „Das muss so sein, das machen wir immer so“ wird meine Reklamation lapidar abgetan. Dass dem nicht so ist, bestätigt meine Freundin, die schon einmal eine durchaus essbare Variante hier hatte. Ihr Einwand wird auch nicht gehört. Das Angebot, es neu zu machen, macht für mich keinen Sinn, wenn es genauso wieder gebracht werden würde, also weiche ich auf die Käseplatte aus.

Die Rechnung kommt, wie sollte es auch anders sein, unleserlich handgeschrieben und mit einer Gesamtsumme. Die gastronomische Unsitte, den Gästen das anteilige Ausrechnen zu überlassen und es sich selbst damit einfach zu machen, empfinde ich immer als faul bis unhöflich vom Gastgeber. Da trösten auch zwei Kaubonbons aus dem deutschen Supermarkt nicht. Zähneknirschend wird die Rechnung getrennt. Eine Entschuldigung für das versalzene Gericht oder einen Ausgleich dafür gibt es nicht, es wird voll berechnet. Das bestätigt nur wieder meinen allerersten Eindruck: Die wollen hier keine (neuen) Gäste. Und welche mit Hunden schon gar nicht. Schade.

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4 Antworten zu Besser nicht: Chez Mamie

  1. Ron schreibt:

    Jammern auf hohem Niveau: Wer Foie Gras verspeist, der isst auch kleine Hunde. Tara, lebst du noch? 😉

  2. bartels@michas-essen-und-trinken.de schreibt:

    Ich werde meinem Kodex selten untreu, d.h. über „Kollegen“ zu schreiben. Hier mal eine Ausnahmne.
    Mein „Mamie“ Besuch mit Mann und Hund – schon eine Weile her – weil:
    Wir saßen „draußen“ im häßlichen Gärtchen – der Hund verschwand sofort unter dem Tisch: Hundehasserblick vom „Kellner“ !
    Entenstopfleberterrine: Bitter, faserig, unlecker – Krönung: Dazu keine Brioche sondern „Goldentoast“ – den hast Du auch auf Deinem 1. Foto gepostet. Und: Das geht gar nicht!
    Reaktion des „Kellners“: „Das merkt doch hier sowieso keiner“ – danach war’s mir egal, resp. ich hab vergessen was es sonst noch so gab.
    Die ziehen in die Sömmerringstrasse – und ich kenne die „neuen Gäste“ des Ladens sehr gut. Ob die das im Nordend genausowenig merken wie in Ginnheim ?
    Schaun‘ mer mal!
    Kulinarische Grüße von Micha Bartels

    • tinatara schreibt:

      Hi Micha, danke für Deinen Kommentar.

      Den Hundehasserblick – verdammt, stimmt, den habe ich gar nicht erwähnt! Aber er war da!! Das Brioche habe ich gar nicht mal vermisst, es war ja nicht angekündigt auf der Speisekarte und da bin ich bei einem netten kleinen Lokal ja gar nicht so, ess ich halt leicht angebrannten Goldentoast.

      Ich bin mir auch nicht sicher, ob die sich mit dem Umzug einen Gefallen tun, denn an der Hügelstraße hatten sie Stammgäste, die alles verziehen. Und ob das im neuen Viertel – kulinarisch etwas verwöhnter als wir in Eschersheim / Ginnheim – so hinnehmen, wird sich zeigen.

      Auch habe ich kein Problem damit, wenn Hunde nicht erlaubt sind (dann gehe ich halt nicht hin), aber sie zu gestatten und dann so zu behandeln, ist schlicht und ergreifend nicht schlau.

      Ich hoffe, es geht Dir gut! (Bei Dir im Laden habe ich damals Mirko kennen gelernt, da war ich noch beim Journal…) Liebe Grüße, Tina

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