Mehdis

Als ich den Aufruf von Ole Plogstedt (RTL 2 – Die Kochprofis) sah, Foodjournalisten und Foodblogger mögen doch bitte ins Rhein-Main-Gebiet kommen und einem Restaurant helfen, wurde ich hellhörig. Wenn die sonst so verhasste Zunft eingeladen wird, muss es dem Laden ja mächtig schlecht gehen. Da die Produktionsfirma vermutlich nicht das Risiko eingeht, die Gäste des Abschlussabends zu vergiften und ich grundsätzlich gerne mal hinter die Kulissen schaue, meldete ich mich also an.

Es geht an den Arsch der Welt – Hünstetten. Das hübsche Restaurant liegt sehr versteckt mitten im Wohngebiet, Hinweisschilder sucht man vergebens und damit ist die Grundproblematik auch bereits erkennbar. Wer zur Hölle soll da hingehen?

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Dreißig echt nette Gäste vom Weddingplaner über Fotografen und Webdesigner bis zum Foodbeschaffer müssen zum Armaggedon-Shoot (dem Einzug der Abendgäste ins Restaurant) ein paar Mal die Straße rauf- und runter laufen und bekommen dann ein Gläschen Sekt. Das Team des Restaurants ist hübsch angezogen und super nett, die Betreiber sind irgendwo am Drehen und nicht zur Begrüßung ihrer Gäste da. Warum auch? Die sind ja nur Staffage fürs Fernsehen.

Wer eine Kamera dabei hat wird beim Fotografieren gefilmt und nach einer Stunde Rumstehen im wunderschönen Garten, dessen Anlage 120.000 Euro gekostet haben soll (für was??) geht es dann zum Essen. Ein gefälliges 4-Gang-Menü wird serviert, netterweise mit Wachtel dabei, die Resonanz bei den Gästen ist durchweg positiv. Ich persönlich bin jetzt nicht so der Freund von fast ungekochtem Spargel, aber meine Tischnachbarn sind begeistert. Das Filmteam stört wenig und jeder kann plaudern und wirklich Essen, hier müssen keine Szenen mehrfach wiederholt werden. Die Köche und die Inhaber sind nicht zu sehen. Irgendwie meiden sie das Fußvolk.

wachtel

Nachdem auch eine Viertelstunde nach dem Dessert niemand mal eine Ansage macht, wie es denn hier weiter geht, gehe ich mal schauen. Ich muss morgen um 8 Uhr im Büro sein und habe noch 75 km durch die Pampa zu fahren. Das Team ist im Nebenraum mit Weißwein beschäftigt und ich werde mit den Worten: „Wir haben hier eine Besprechung“ raus gekehrt. Also warten wir brav weiter, bis dann endlich 2 x das Endklatschen gefilmt wird und wir fotografieren dürfen / sollen. Der Bürgermeister bittet mich im Anschluss um meine Fotos, worüber ich natürlich wieder herzlich lachen muss. Ich bin ja nun eher der Texter. Aber gut, man will ja helfen.

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Das ach so sympathische Betreiberpaar wechselte kein einziges Wort mit uns. Den ganzen Abend nicht. Mit den Leuten, die ihnen doch so unbedingt helfen sollen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie sehr mich das motiviert und bin gespannt, ob sie sich überhaupt melden.

Für mich war es ein interessanter, aber dennoch enttäuschender Blick hinter die Kulissen. Manchmal bleibt man besser davor und erhält sich die Illusion. Mit Ole konnte ich ein paar kurze Worte wechseln, ihm scheint das Restaurant Mehdis wirklich am Herzen zu liegen. Aber Chance räume ich der kleinen Gaststätte ehrlich gesagt wenig ein. Wer soll da hinkommen? Warum sollte ich beispielsweise wieder kommen, wenn ich in 15 km Entfernung über 2.000 Restaurants habe?

Meine Eindrücke sende ich mal besser nicht an Janus TV, denn so haben die sich das sicher nicht vorgestellt. Kann aber passieren, wenn man einen Foodblogger einlädt. Außerdem bin ich ja nach wie vor bereit, beispielsweise für die neue Homepage zu texten und wirklich zu helfen. Ich bin gespannt, ob sich jemand meldet…

Update: Heute hat sich der Inhaber bei mir gemeldet und tausendfach entschuldigt. Er war wohl ziemlich aufgeregt durch die Dreharbeiten und das muss auch alles ziemlich anstrengend gewesen sein. Am Freitag treffe ich ihn und bin gespannt, wie sich mein Blickwinkel dann ändert.