Neidharts Küche

Optisch ist sie schon sehr in die Jahre gekommen, Neidharts Küche. Die Hauswände im Innenhof sind abgeranzt, das Mobiliar innen ebenfalls. Ungebügelte gelbe Tischdecken in vielen Schichten übereinander und uralte braun-beige gestreifte Gardinen zeigen, dass hier seit vielen Jahren nicht mehr investiert wurde. Das macht zunächst ein wenig Angst, denn die Preise hier haben es für Karbener Verhältnisse schon in sich.

Der Service kommt unkonventionell leger gekleidet, ist aber sehr schnell und unglaublich herzlich. Da ich mich für das 4-Gang-Menü entscheide und mein Mann wohlweißlich nur für eine Hauptspeise, weil er von mir ja noch die Hälfte mitessen muss, bringt die Kellnerin meine Vorspeise gleich schön arrangiert auf zwei Tellern. Wow, das nenne ich mal gut zugehört und mitgedacht, das habe ich selten erlebt! Auch eine zweite Krustentier-Suppe gibt es für meinen Mann, das war keinesfalls eine Portion aufgeteilt, sondern wirklich eine eigene, die nicht auf der Rechnung stand.

Meine Garnelen mit Avocado, Mango, Salat und pikantem Dressing sind perfekt aufeinander abgestimmt und alleine schon den Besuch in Neidharts Küche wert. Aus den Köpfen der Garnelen danach eine Krustentier-Suppe zu kochen zeigt, dass hier sinnvoll und durchdacht mit Lebensmitteln umgegangen wird. Die Hauptgerichte sind heiß (!), großzügig bemessen und perfekt zubereitet. Der Fisch glasig gebraten mit krosser Haut, die Maispoularde saftig. Mit eigener Jus und knackigem frischem Gemüse abgerundet merkt man hier die Liebe und das Können, mit der selbst gekocht wird. Hier kommt nichts aus der Tüte und nichts aus dem Tiefkühlschrank, das sieht und schmeckt man sofort. Einen Dessertspezialisten gibt es in der Küche auch. Das lauwarme Schokoladenküchlein und das Kokoseis werden mir in besonderer Erinnerung bleiben.

Es wäre toll, wenn sich diese gute, frische und regionale Küche auch im Restaurantumfeld wieder finden ließe. Wenn der Mief der Jahre aus dem Ambiente mal entfernt würde. Auch die hässlichen Werbeschirme im Garten passen nicht ganz zu Hauptgerichten für 22 Euro.

Über die Speisekarte auf der Homepage musste ich schallend lachen („Rückensteak vom Bauer Winter“) und es ist sehr bedauerlich, dass sie nicht aktuell ist. Aber dafür sind Hunde in Neidharts Küche wirklich herzlich willkommen, Näpfe in jeder Größenordnung stehen bereit.

Es ist natürlich das beste Restaurant in Karben. Da gehört leider auch nicht viel dazu. Trotzdem wäre es schön, wenn man hier bald einmal frischen Wind verspüren könnte, damit man auch guten Gewissens Frankfurter Freunde hierher einladen kann. Das wäre mir aktuell fast ein wenig peinlich.

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